Wille ist mächtiger als Intellekt
“Willen braucht man – und Zigaretten.”
Helmut Schmidt, Bundeskanzler a.D. Antwort auf die Frage, ob man Leidenschaft für seine Arbeit brauche.
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Landläufig gilt die Meinung, dass jeder erfolgreiche Unternehmer mindestens einmal in seinem Leben gescheitert sein müsse. Das ist in meinen Augen Quatsch. Diese Bauernweisheit verdreht eine viel wichtigere Eigenschaft von Unternehmern: Siegeswillen. Also den festen Willen, der sie nach einem Schlag ins Gesicht wieder aufstehen und weiterkämpfen lässt. Den Willen, genau in solchen Momenten zu denken “Jetzt erst recht!” statt Kleinbei zu geben.
Eigentlich müsste man also vielmehr sagen, dass jeder der einen festen Willen besitzt, auch in der Lage ist eine Niederlage wegzustecken und es genau daher nach ganz oben schaffen kann. Nur leider wird dieser Wille, den viele von uns naturgegeben haben oft von etwas blockiert, das wir in der Schule, im Studium oder in der Ausbildung anerzogen bekommen: dem Intellekt. Er führt dazu, dass wir alles Hinterfragen, glauben, nach bestimmten Konventionen handeln zu müssen oder der Überzeugung sind, dass Erfolg eine akademische Herausforderung darstellt, die nicht jedem vergönnt ist. Ich habe mich gefragt, warum das so ist und was man dagegen tun kann. Hier mein Ergebnis:
Intellekt führt zu Überanalyse
Nach der Schlacht ist jeder General. Das gilt nicht nur für Wirtschaftskrisen, die schlagartig eine Überzahl von Wirtschaftsexperten oder gar -weisen hervorbringt, die schon lange alles kommen sahen. Jeder von uns hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass nach einer Niederlage plötzlich irgendein selbsternannter Experte oder Hobby-Psychologe unsere Situation analysiert und kommentiert. Anscheinend ist es das natürliche Bedürfnis vieler Menschen verstehen zu wollen, wie es soweit kommen konnte und Pläne zu entwickeln, um eine solche Krise in Zukunft zu verhindern.
Grundsätzlich lässt sich gegen die Suche nach einer Ursache ja auch nichts einwenden. Problematisch wird es aber dann, wenn diese Ursachenanalyse von Experten oder Schlaumeiern gemacht wird, die selbst nicht mit im Ring gestanden und auf die Nase bekommen haben. Sie glauben, dass sie durch das Zuschauen einen klareren Kopf als wir selbst haben. Ausserdem gibt es selten nur eine einzige Ursache, die zum Scheitern geführt hat und gerade in komplexen Beziehungsgeflechten wird man nie in der Lage sein, alle Eventualitäten aufzudecken und zu verstehen.
Wenn man sich also Rat einholen muss, um eine Situation besser zu verstehen, ist es sehr viel hilfreicher, mit Menschen zu sprechen, die genau die gleiche oder eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Man bekommt nicht nur unverblümteres Feedback, sondern vor allem auch die Bestätigung dafür, dass man nicht allein auf der Welt ist. Und statt zu versuchen jede noch so kleine Ursache für das Problem aufzudecken, tut man sich einen großen Gefallen damit, einfach nur eine wichtige Erkenntnis aus dem Ganzen mitzunehmen und beim nächsten Mal besser zu machen. Man schont so nicht nur die Analysezeit sondern auch die Nerven.
Intellekt sorgt für hohe (gefühlte) Opportunitätskosten
Abgeschlossene Ausbildung, Studium mit Auszeichnung, dann noch die Promotion und der gut bezahlte Job. Wenn da mal nicht eine Gründung dazwischen kommt. Ich selbst kenne die Gedanken ganz gut. Vor allem aus der Zeit nach meinem Studium und meinem Beratungsjob. Man macht sich selbst Druck, da man das Gefühl hat, dass die Freunde alle den ultimativen Superjob haben. Man weiß (oder glaubt zu wissen), dass das Gras auf der anderen Seite grüner ist. Ganz bestimmt!
Unser anerzogene Intellekt blockiert uns hier aber erneut. Die Szenarien, die wir uns ausdenken existieren nur im Kopf. Ständig darüber nachzudenken hält uns von den wichtigen Dingen ab und zögert die quälende Auseinandersetzung damit, was wir wirklich wollen hinaus. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass wir nunmal nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen können. Das müssen wir aber auch nicht. Eine Sache mit festem Willen durchzuziehen genügt. Man muss nicht 100 Dinge gleichzeitig tun. Eine Sache, die aber richtig. Grübeln und Hinterfragen sind dabei nur unnötiger Ballast.
Intellekt macht aus guten Ideen komplizierte Firmenkonstrukte
Dank Intellekt wissen wir, wie man gute, sauber durchargumentierte Papers schreibt, Marktanalysen macht und professionelle Präsentationen schraubt. Super! Das sind die Grundvoraussetzung dafür, um eine gute Idee zu einem komplexen Monster zu machen. Richtig erfolgreiche Geschäftsmodelle sind dagegen immer sehr, sehr einfach. Warum ist unser Modell nur so kompliziert geworden? Mit genügend Redegewandtheit können wir auch dafür noch die passenden Rechtfertigungen liefern. Klar muss ein Geschäftsmodell tragfähig sein, aber schon der “Godfather of Entrepreneurship” Joseph Schumpeter hat gewusst, dass die Aufgabe eines Unternehmers nicht darin liegt, komplizierte Pläne zu schmieden (das überlassen wir den Beratern), sondern zu verstehen, wie man die vorhandenen Ressourcen geschickt zu etwas Neuem kombinieren kann. Dazu braucht man keine besonderen Fähigkeiten und keinen Intellekt. Ein Taschenrechner, ein Zettel und ein Stift sollten reichen. Ein 50 Seiten langer Business Plan ist eher ein guter Indikator dafür, dass die Geschäftsidee noch nicht richtig durchdacht oder nicht wirklich tragfähig ist.
Das sind meine ersten Gedanken zu dem Thema. Natürlich ist der Wille allein nicht ausschlaggebend für den Erfolg. Er ist jedoch eine sehr wichtige Eigenschaft, die die meisten Unternehmer verbindet. Unternehmertum ohne Intellekt ist möglich, Unternehmertum ohne Siegeswille dagegen nicht.
Wer sich noch weiter interessiert. Gute Bücher zum Thema Entrepreneurship, die ich empfehlen kann, gibt es hier. Kommentieren oder folgen gerne via Twitter.

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