Mit dem richtigen Modell zur Weltherrschaft

Beitrag von Christoph Magnussen. Foto von simosg / photocase.com
Was den Unternehmer vom Selbstständigen unterscheidet, ist ein gutes Modell. Der Selbstständige ist selbst ein fester Bestandteil seiner Tätigkeit, er kommt nicht raus. Er verkauft Stunden, Tage oder bestimmte Leistungen die er selbst erbringen muss. Selbst gut verdienende Anwälte oder Berater sind selbst und ständig damit beschäftigt ihr Einkommen zu sichern.
Der Unternehmer dagegen konzentriert sich darauf (oder sollte es), nicht zu einem festen Bestandteil seiner Einkommensquelle zu werden. Er schafft ein System, ein Modell. Seine Aufgabe ist es dann, dieses Modell aufzubauen, anzuschieben und weiterzuentwickeln. That’s it. Arbeit mit dem Kopf, nicht mit den Händen.
Wie genau sieht denn aber nun die perfekte Idee aus, also das bombensichere Modell mit dem wir der Weltherrschaft ein Stück näher kommen? Sicherlich kann man es nicht für alle Branchen übergreifend verallgemeinern, aber ein paar Punkte gibt es schon, die ein gutes von einem schlechten Modell unterscheidet.
1. Ein gutes Modell ist einfach
Einfach bedeutet nicht dass es leicht ist, es umzusetzen. Einfach bedeutet aber, dass es so gut durchdacht ist, dass es auf die Rückseite einer Visitenkarte oder zumindest auf eine normale Seite passt. Wenn jemand Zeit und Lust hat 30 seitige Businesspläne zu lesen, dann bitte. Aber einen Einfall lange zu durchdenken und erst dann als Konzept auf den Punkt zu bringen, ist wie wahre Kunst. Das ist sehr viel anstrengender, als lange ausführliche Texte zu schreiben. Wer etwas in einem Satz zusammenfassen soll, ist oft sehr viel mühsamer und wird daher leider viel zu selten gemacht.
Einfach heißt auch, dass superklar sein muss, wo das Geld (also unsere Millionenumsätze für die Weltherrschaft) herkommen sollen. Und NEIN “Wir bauen zunächst Reichweite auf und finanzieren dann über Werbung” ist kein durchdachtes Finanzierungsmodell. Auch bei Investoren zu pitchen kann Geld auf’s Konto bringen, muss aber dem Ziel dienen schnellstmöglich auf eigenen Beinen zu stehen und nicht immer wieder nachzufinanzieren, weil das Konto leer ist. Klar gibt es Unternehmen denen es gelungen ist, erstmal nur das Produkt aufzubauen ohne zu wissen wie man Geld verdient (z.B. Google oder Facebook). Erfolgsversprechender ist jedoch für ein Produkt oder eine Dienstleistung Geld verlangen. Oh Wunder – aber ich muss es einfach noch einmal in den Zeiten der “Ich-will-alles-kostenlos-oder-mindestens-40%-auf-alles” Internet Generation betonen.
2. Ein gutes Modell ist idiotensicher
Die allerschwerste Aufgabe, die ein Unternehmer hat, ist es richtig, richtig gute Leute zu finden, die eine Firma groß machen, ohne sie gegen die Wand zu fahren. Noch besser ist es aber, ein richtig gutes Modell zu bauen, dass die Firma nicht in die Abhängigkeit von Alpha-Tierchen und überteuerten Elite-Studenten gibt. Statt also zu überlegen, wo man die besten Leute herbekommen kann, sollte man sich vorher anschauen, wie man ein System von Aufgaben und Prozessen schaffen kann, die von einem Kleinkind ausgeführt werden können. Damit meine ich nicht, dass jeder Arbeitsschritt zu langweiliger Fließbandarbeit werden soll und wie zu Taylors Zeiten nur noch die Stechuhr gedruckt wird. Nein im Gegenteil. Man schafft Standards und überlegt sich die besten Wege, um eine Aufgabe zu lösen und kann sich dann auf die Sachen konzentrieren, die die Firma wirklich weiterbringen und den Mitarbeitern etwas an die Hand geben, an dem sie sich orientieren können. Die Amis nennen diese Wunderwaffen “Operation Manuals” und setzen sie bei so ziemlich allem ein, was dort und auch hier in Europa auf den Markt kommt. Das ist auch der Grund warum jeder McDonald Mitarbeiter auf diesem Planeten einen perfekten Burger zubereiten kann und McDonald’s sich die teuren Chefköche in den Filialen sparen kann, was sicher lustig, aber bestimmt nicht so profitabel wäre!
Wenn jeder Auftrag aber erstmal mit einem 5 köpfigen Team aufgesetzt und von einem Projektstab begleitet werden muss, ist mein Modell allerdings nicht idiotensicher, sondern sichert zu vielen Idioten den Hintern.
3. Ein gutes Modell ist skalierbar
Ich Glaube es war Rockefeller der gesagt hat: “Besser als ein Kunde der mir eine Million zahlt sind eine Million Kunden, die mir einen Dollar zahlen.” Da hat der reichste Mann der je gelebt hat sicherlich nicht ganz unrecht. Dazu müssen wir aber auch etwas bauen, dass immer gleich funktioniert egal ob mit einem Kunden pro Tag oder mit einer Million. In jüngster Zeit war es sicherlich Google, die das geschafft haben Aktuelle Zahl .
Das Internet ist prädestiniert für skalierbare Produkte – noch 12 Jahre nach dem Starat von Google. Gerade wenn es sich um ein Produkt handelt, dass direkt per download oder live Anwendung bezogen werden kann. Davon gibt es im er mehr: iTunes, Salesforce, XING, Dropbox, Billomat, Mite usw. Die Kosten, um das Produkt vorrätig zu halten gehen gegen Null. So kann man mehr Power in die Weiterentwicklung des Produktes selbst und des Modells stecken. Ausserdem kann man so kleine sehr Profitable Firmen aufbauen, anstatt superkomplexe Strukturen für hunderte Mitarbeiter zu konstruieren und den ganzen Tag aufzupassen, dass keiner was falsch macht. 37signals hat mit einem Team von 5 Leuten bereits Millionenumsätze gemacht.
4. Ein gutes Modell setzt auf Trends verfällt aber nicht dem Hype
1848 der erste Goldrausch in Kalifornien. So ziemlich jeder Amerikaner und auch Zuwanderer ist in der Zeit nach Kalifornien, um schnell, ganz schnell reich zu werden. Weltherrschaft über Nacht quasi. So richtig reich geworden sind aber nur wenige der Nugget-Jäger. Es waren vielmehr die schlauen Unternehmer, die den Goldberauschten Zug-Tickets gen Westen verkauft und vor Ort mit Hacke und Schaufel ausgestattet haben. Also den Werkzeugen, die man braucht, um den Traum vom schnellen Reichtum zu erfüllen. Sie haben den Trend schlau genutzt, ohne dabei selbst wie kopflose Hühner durch die Gegend zu laufen.
Das Internet hat einen ähnlichen Goldrausch ausgelöst und immer wieder kleine Mini-Goldräusche (keine Ahnung, was die korrekte Pluralform ist), wie z.B. aktuell Social Communities bzw. Social Media. Die meisten rennen auch hier wieder einfach drauflos und ein paar wenige schlaue machen gutes Geld. Klar man kann nicht ohne einen Trend die wirklich große Kohle machen, man muss aber aufpassen, dass man nicht einfach nur mitläuft. Man sollte sich vielmehr fragen, was die Werkzeuge sind, die man anderen verkaufen kann, damit sie ihre Wünsche und Träume verwirklichen oder es zumindest versuchen können.
5. Ein gutes System hat irgendwo schon mal funktioniert
“Wir sind die ersten, das hat noch keiner gemacht, das Produkt ist etwas völlig Neuartiges.” Da sollten die Alarmglocken aber angehen, ganz gefährlich. Wenn man gezwungen ist, die Kunden aus den gelernten Gewohnheiten rauszuholen, um etwas zu verkaufen, wird es mühsam.
Ein gutes Modell hat irgendwo oder irgendwann schon einmal funktioniert. Es muss ja keine direkte, platte Kopie, ein Copy Cat sein. Aber man kann sich sehr viel Inspiration von anderen Modellen und Märkten holen und gute Einfälle miteinander kombinieren. Das ist sehr aussichtsreicher, als der einsame Messias einer ganzen Branche zu sein, die es noch gar nicht gibt.
6. Bei einem guten Modell stellt sich rechtzeitig genug heraus, dass es doch nicht gut ist
Ja klingt doof, ist aber so. Nicht das Scheiten einer Idee ist das Problem, sondern wenn es zu lange dauert, um zu begreifen, dass man gescheitert ist. Also dass man ein totes Pferd nicht mehr weiterreiten kann sondern absteigen und umsatteln muss.
Ein gutes Modell ist so fokussiert auf eine Sache mit der wir Geld verdienen wollen oder es bereits tun, dass wir nicht die ganze Zeit am Wegesrand nach immer neuen Gelegenheiten Ausschau halten. Bei einem schlechten Modell ist es leicht ständig umzuschwenken und neue Wege zu suchen, um die Kasse zu füllen bzw. darauf zu hoffen. Das Geschäftsmodell mit der Zeit anzupassen und auch starke Kurven zu fahren ist völlig legitim (Bsp. Nokia, die früher Gummistiefel hergestellt haben oder Vodafone Deutschland, die als Mannesmann mit Lampen gestartet sind) aber wenn man mit einem Modell beginnt, dass von Anfang an nicht funktioniert, sollte man sich überlegen, ob man es nicht bleiben lässt.
Nur wann ist der richtige Zeitpunkt? Bei der ersten Krise wohl kaum, auch nicht nach ein paar Wochen, wenn nicht gleich die Millionenumsätze reinpurzeln. Aber die Zahl der Verkäufe sollte nach oben und über den eigenen Freundeskreis hinaus gehen. Nach dem ersten Hoch kommt schnell ein erstes Tief, das ist völlig normal. Wie bei einer Achterbahn. Wenn es aber dann nicht merklich den kontinuierlichen Anstieg nach oben gibt, um Schwung für den nächsten Looping zu holen, sondern irgendwie nur langsam weiterrollt, dann muss man aufpassen, dass man nicht in einer Sackgasse landet. Bei einem schlechten Modell schleppt man sich von Jahr zu Jahr und kommt nicht so richtig vom Fleck, es befriedigt den Tagesbedarf, lässt aber kein Entwicklungspotenzial nach oben. Die Weltherrschaft rückt also in weite Ferne und das wollen wir ja nicht.
Und wenn es trotz gutem Modell heute nicht klappt, dann versuchen wir eben wieder morgen die Weltherrschaft an uns zu reißen.
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