“I’m Entrepreneur. I solve problems.” “Good! We got one.”
Beitrag von Christoph Magnussen. Empfehlungen über Facebook. Foto von complize/photocase.com
Unternehmer sind Problemlöser. Sie müssen sich nicht nur mit Strategien auskennen sondern oft auch selbst anpacken. Aber nur wenige wissen, wie man die richtige Balance zwischen nah am operativen Geschehen sein und abstrakter Planung findet und vor allem, warum das so wichtig ist. Dazu ein kleines Beispiel:
Napoléon I. (1769-1821), Profiteur der Französischen Revolution und selbstgekrönter Kaiser, war bekannt als Workaholic und politisch äußerst geschickt. Er hat unsere Welt bis heute beeinflusst (z.B. ist die Wehrpflicht ein Relikt aus seinen Zeiten). Ein Detail aus seinem Leben ist allerdings weniger bekannt: Napoléon besaß eine Reise-Kutsche, aus der er arbeitete, wenn er unterwegs war. Diese Kutsche war mit einem (für damalige Verhältnisse) modernen Spezial-Tisch ausgestattet, der die starken Erschütterungen während der Fahrt abfedern konnte. So war es ihm möglich auch auf Reisen lange Texte zu schreiben. Aber damit nicht genug. Mit gleicher Geschwindigkeit mussten fünf Kuriere neben seiner Kutsche mitreiten, an die er dann seine schriftlichen Anweisungen weiterreichen konnte, um sie im ganzen Land verteilen zu lassen. Diese “Horse-Mail” war quasi das Äquivalent zu unserer E-Mail, mit einem kleinen Unterschied. Das konnte sich damals nicht jeder leisten. Oder wollte! Denn kein anderer Herrscher des 17. Jahrhunderts hätte sich überhaupt die Mühe gemacht, eine solche Spezial-Kutsche zu entwerfen. Warum sollte man selbst etwas schreiben? Dazu hatte man doch Personal.
Nun war Napoléon zwar kein Gutmensch und moralisch sicherlich auch nicht unbedingt ein Vorbild. Aber man kann ihm nicht absprechen, dass er in seinem Hauptbestreben enorm erfolgreich gewesen ist: Möglichst viel Macht zu erlangen. Seine Fähigkeit nicht nur die große Linien im Überblick zu behalten, sondern vor allem auch wichtige Details selbst anzupacken, hat ihm auf dem Weg sehr geholfen. So stammten beispielsweise einige der bedeutensten Gesetzestexte der Zeit aus seiner eigenen Feder und die richtungsweisenden Ideen für das Militär kamen von ihm.
Heute reisen zwar nur noch wenige mit so einer coolen Kutsche, aber mit Blackberry und iPhone haben wir einen ziemlich guten und vor allem günstigen Ersatz dafür gefunden. Wie kleine Napoléon’s, können wir von überall aus arbeiten und unsere Aufträge in der ganzen Welt verteilen. Grenzen sind uns eigentlich keine gesetzt.
Genau da beginnt aber das Problem. Irgendjemand hat großzügig Kutschen verteilt, aber nicht alle können damit umgehen. Mails und Aufgaben werden heute wahllos an Mitarbeiter verteilt und sorgen vermutlich für mehr Unproduktivität als Facebook, Skype und Spiegel-Online zusammen. Entschiedene Aufgaben werden abgegeben, da sie zu “operativ” sind, Aufträge werden unklar delegiert und wichtige strategische Entscheidungen bekommen nicht genug Planungszeit. Was können wir von Napoléon und anderen Profi-Handlern lernen, um die richtige Balance zwischen Strategie und Handeln zu finden?
1. Fokus auf die Key-Kohle-Bringer
Schlimmer als nicht zu handeln, ist es, bei den falschen Dingen zu handeln. Die meisten E-Mails die wir schreiben bringen nichts, 80% unserer Aufgaben sind Luftnummern und nur sehr wenige Meetings bringen uns wirklich weiter. Wenn wir das begriffen haben, sind wir schon ein ganzes Stück weiter. Und wenn wir dann noch genau identifiziert haben, wo unsere Kohle exakt herkommt, dann sollten wir uns tunlichst darauf konzentrieren.
Dietrich Mateschitz, der Gründer von Red Bull, hat die Marketingpläne für seinen Energy-Drink selbst entwickelt und auch heute noch ein Auge darauf. Ohne Marketing gäbe es das Phänomen Red Bull überhaupt nicht. Ein Unternehmer muss nicht alles wissen, um Gottes Willen, aber er muss wissen, wo seine Kohle herkommt, diesen Bereich beherrschen und nie ganz abgeben.
2. Die “Aus den Augen aus dem Sinn” Falle vermeiden
Es fühlt sich ja so gut an, Aufgaben abzugeben: für den Fernsehspot und die Website haben wir eine Agentur, die sich über’s Wochenende mal was ausdenken soll. Die Kunden rufen beim Call Center an, die lästigen Interviews mit der Presse sollen unsere PR Leute machen und die Zahlen hat unser Buchhalter parat – wenn es denn jemanden interessiert.
Und schon sind wir zum “Durchwinker” mutiert und bekommen neben der Tagezeitung nur noch die Unterschriftenmappen zu lesen. Nicht das mich jemand falsch versteht. Ich bin großer Verfechter der Auffassung, dass Unternehmer “an” und nicht “in” ihren Firmen arbeiten sollten. Das heißt aber nicht, dass sie zum Analphabeten werden sollen. Delegieren scheint heute so einfach, wie nie zuvor. Mal eben eine kurze E-Mail rausgeschickt und schon scheint das Problem gelöst. Aber Vorsicht! Nachfassen und Dranbleiben ist Pflicht, ansonsten geht nichts voran. Eine verschickte E-Mail ist noch keine getane Arbeit.
3. Schluss mit dem Geblubber, es müssen echte Aufträge geschrieben werden
Von dem Investor Warren Buffet ist bekannt, dass er genau einmal im Jahr je einen Brief an die Manager seiner Firmen schickt, die ihre Ziele beinhalten. Die restliche Zeit lässt er sie arbeiten. Die meisten anderen Manager oder auch Investoren bombardieren ihre Mitarbeiter und Manager regelrecht mit Ideen, Meetingeinladungen, Rückfragen und Spezial-Aufträgen. Die wenigsten von Ihnen sind aber so erfolgreich wie Buffet.
Die Kunst liegt eben darin, erst nachzudenken und im Anschluss einen klaren Auftrag zu formulieren. Kein Geblubber, keine Füllwörter, keine Ausschweifungen, keine falschen Höflichkeiten. Das gilt für das Telefon und noch vielmehr für schriftliche Aufträge per E-Mail, da mögliche Rückfragen zu einem unklaren Auftrag nicht sofort gestellt werden können. Erwartungen klar skizzieren, konkrete Deadlines setzen und eine Bestätigung darüber einholen, ob der Auftrag richtig verstanden wurde. Das kann doch nicht so schwer sein?! In vielen Unternehmen herrscht allerdings ein Weichspühlmutti-Ton vor, der in Umschweifungen und an drei CC-Empfänger umschreibt “jemand sollte mal” oder “könnte einer von euch, wenn zeitlich möglich”?
Freunde! Zettel und Stift in die Hand nehmen, Arsch in die Hose und dann auf einer Seite schreiben was Sache ist: Auftrag, Details und Deadline. Das reicht, um seine Leute eine Woche am Laufen zu halten, dann können sie den Rest der Woche fokussiert arbeiten. Niemand braucht 100 E-Mails pro Tag. Eine durchdachte E-Mail pro Tag (für echte Pro’s eine pro Woche) reicht. Alles andere ist SPAM.
4. Freiräume schaffen und selbst Hand anlegen
Es gibt Dinge, die kann und sollte man nicht aus der Hand geben. Das macht ein guter Arzt ja auch nicht. Das kann die Formulierung einer Stellenanzeige für einen wichtigen neuen Mitarbeiter sein, der eigene TV Spot oder auch eine Präsentation, die eben kein anderer machen kann. Das Entscheidende dabei ist, dass man dazu Freiräume braucht, um sich auf diese Dinge konzentrieren zu können. Es funktioniert nämlich nicht, wenn wir uns den ganzen Tag im Büro ablenken lassen. Wir müssen uns diese Freiräume erkämpfen und Orte oder Zeiten finden, an denen konzentriertes Arbeiten möglich ist. Bei den wenigsten ist es das Büro (hier ein netter Beitrag von Jason Fried dazu). Es kann zu Hause sein, oder ein Café, bei einigen vielleicht die Uni-Bibliothek. Wenn es das Büro sein muss, sollte man sich zumindest ein richtig gutes Headset zulegen und von jedem, der bei Stillarbeit unterbricht einen Straf-Euro einsammeln. Das wirkt Wunder und fördert eine Unternehmenskultur, in der es wirklich zählt, Output zu produzieren und nicht nur Aufgaben von links nach rechts zu schieben.
5. Sich von guten Handlern inspirieren lassen
Um Handeln und richtiges Delegieren wirklich zu verinnerlichen, empfehle ich in den kommenden Tagen einen Lehrfilm, der gleichzeitig wohl einer der großartigsten Filme überhaupt ist, anzuschauen: Pulp Fiction.
In einer Schlüsselszene machen die beiden Protagonisten Jimmy und Vincent Bekanntschaft mit Mr. Wolf, der dafür bekannt ist, Probleme zu lösen. Mit einer Leiche im Auto, die verschwinden muss, haben Jimmy und Vicent ein echtes Problem. Mr. Wolf zeigt, wie Unternehmer zu Handlern werden und Aufträge richtig erteilen: mit klaren Ansagen. Vorhang auf für Mr. Wolf und viel Spaß beim Üben.
Mr. Wolf: Jimmie, lead the way. Boys, get to work.
Vincent: A please would be nice.
Mr. Wolf:: Come again?
Vincent: I said a please would be nice.
Mr. Wolf: Get it straight buster – I’m not here to say please, I’m here to tell you what to do and if self-preservation is an instinct you possess you’d better fucking do it and do it quick. I’m here to help – if my help’s not appreciated then lotsa luck, gentlemen.
Jules: No, Mr. Wolf, it ain’t like that, your help is definitely appreciated.
Vincent: I don’t mean any disrespect, I just don’t like people barking orders at me.
Mr. Wolf: If I’m curt with you it’s because time is a factor. I think fast, I talk fast and I need you guys to act fast if you wanna get out of this. So, pretty please… with sugar on top. Clean the fucking car.
Dieser Beitrag ist inspiriert an einem äußerst netten Bargespräch mit Christian im Rodeo Club Berlin.
